Am 15. November 2022 überschütten Klimaaktivisten das Bild „Tod und Leben“ von Gustav Klimt im Leopold Museum mit einer schwarzen, öligen Flüssigkeit. Was wollen die Aktivisten damit erreichen? Man schüttelt doch bloß den Kopf über sie! Was hat Klimt mit dem Klima zu tun? Der Zusammenhang hat sich mir nie vollständig erschlossen.

Ein Besuch im Leopold-Museum und das Lesen des Museumsführers hat mich auf eine Fährte gebracht.

Rudolf Leopold ist als junger Medizinstudent nach einem Besuch im kunsthistorischen Museum so überwältigt, dass er beschließt, selbst Sammler zu werden. Voller Leidenschaft und Hingabe und unter großen persönlichen Entbehrungen setzt er sich fortan sein ganzes Leben für dieses Ziel ein.

Leopold liebt seine Bilder und setzt alles daran, dass sie einen würdigen Platz bekommen, baut ein Museum drumherum, zieht Unterstützer an Land und macht die Schönheiten damit auch anderen zugänglich…

Beim Rundgang durch die Ausstellung beginne ich etwas zu begreifen: Treiben diese jungen Menschen, die so wertvolle Bilder wie den Klimt in scheinbarer Zerstörungswut mit Öl oder Tomatensuppe übergießen, etwa ähnliche Motive an?

Es gibt ein noch viel größeres und unsagbar wertvolleres Kunstwerk, das einst mit Leidenschaft und Hingabe geschaffen wurde und das nicht nur schön anzusehen ist, sondern buchstäblich die Daseinsgrundlage für alles bildet: Unser Planet Erde.

Kollektiv sind wir als Menschheit dran, diesen zu zerstören und im übertragenen Sinn mit einer schwarzen öligen Schicht zu überziehen (leider ist dieses Kunstwerk nicht geschützt hinter einer Glasscheibe).

So, wie sofort nach der Schütt-Aktion alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, damit der Schaden wieder gut gemacht wird und die Verursacher einer gerechten Strafe zugeführt werden, so müsse auch in Bezug auf den Planeten rasch alles unternommen werden, damit dieses Kunstwerk wieder erstrahlt und die Menschen erfreuen kann.

Klimt und Klima? Die jungen Aktivisten kennen und schätzen den Wert von beiden, darum setzen sie sich mit „voller Leidenschaft und Hingabe und unter großen persönlichen Entbehrungen für das Ziel ein“, letztlich beides zu erhalten.

Leidenschaft und Hingabe verbinden Sammler wie Rudolf Leopold und die „Letzte Generation“ und ich verstehe endlich einen Zusammenhang.

Datum: 05/01/2023

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